Auf dem Haarstrang, dem lang gestreckten
Höhenrücken zwischen Sauerland und Hellweg, liegt Schloss
Eggeringhausen, das zur Gemeinde und zum Kirchspiel Mellrich gehört. Mellrich ist ein Ortsteil von Anröchte
und gehört zum Kreis Soest.
Im Jahre 1181 verkauften die Herren von Eberstein ihr
Gericht Mellrich an einen Ritter, dessen Nachkommen sich "von Mellrich" nannten. Ihr Wappen - zwei rote gekreuzte
Jagdhörner in Gold - findet sich neben dem Balken des
Fürstenbergschen Stammwappens im Wappen der
selbstständigen Gemeinde Mellrich. Im Jahre 1181 wurde
auch Heinrich der Löwe gestürzt und der Kölner Erzbischof Phillipp von Heinsberg hatte die westfälische
Herzogswürde erlangt.
Gerhard von Mellrich machte 1319 den
Rittersitz Mellrich Eggeringhausen zum "Offenhaus" des
Erzbischofs. Reste einer alten "Motte" finden sich sowohl
in der Nähe des ehemaligen Mellricher Bahnhofs sowie im
Park unter einem alten Taxusgebüsch!
1483 verkaufte Nolte von Mellrich
Eggeringhausen mit Gericht, Mühle, Fischerei und Jagd an
Goddert Ketteler, Amtmann zu Hovestadt. Diese Familie
tauchte schon wesentlich früher im Raume Mellrich auf und
siegelte gelegentlich mit dem Mellricher Wappen.
Die Herren von Mellrich starben Ende
des 15. Jahrhunderts langsam aus. Der letzte Ritter von
Mellrich soll im "Rufe der Helligkeit" in der so genannten
"Schnappenburg", einem Anbau an die alte Pfarrkirche,
gestorben sein. Danach erweiterten die Kettelers von
Eggeringhausen aus ihren Einfluss. 1517 wurde in
Eggeringhausen Gotthard Ketteler geboren, der letzte
Heermeister des Deutschen Ordens in Livland und erste
Herzog von Kurland und Semgallen, dessen Nachkommen bis 1737 in Kurland regiert haben. Die Eltern Gotthards waren
Gotthard, Ritter des Ordens vom Goldenen Vlies und
Sybille Sophie von Nessel-Rode, Pfandherrin von Elberfeld
(dem heutigen Stadtteil von Wuppertal).
Wilhelm, ein Bruder Herzog Gotthards,
war erwählter Fürstbischof von Münster, resignierte aber
nach einigen Jahren tatkräftiger Regierung, ohne jedoch
die Weihen empfangen zu haben. Kurfürst Ernst aus dem
Hause Wittelsbach vereinigte 1597 das bisherige Gericht
mit den 5 Dörfern des Gogerichts Roberinghausen zur
"Herrlichkeit Mellrich".
Der Gerichtsplatz war damals nahe
der Kirche, die Hinrichtungsstätte am so genannten
"Gallenkamp". Das Gefängnis befand sich in Eggeringhausen
selbst. An die alte Gerichtshoheit erinnert heute noch
eine alte Tür mit Guckloch und zwei alte Holztafeln mit
Sprüchen auf den Tod (Hochgericht) und ehrbaren
Lebenswandel (Niedergericht).
1603 verkaufte Johann von Kettler, Freiherr von Monjoie,
Gouverneur von Cleve, die „Herrlichkeit“ an den Grafen
Johann von Ostfriesland und Rietberg.
Für die Rietbergs war die "Herrlichkeit" Kornkammer und
Holzvorrat (Eichen!) für ihre auf Sandboden gelegene
Grafschaft. Sie gaben zwischen 1620 und 1660 dem
Haupthaus seine heutige Form als eine der ersten
dreiflügeligen Anlagen Westfalens.
Die Erbtochter Maria Ernestina Franziska heiratete 1699 den Grafen Maximilian Ulrich von Kaunitz. Dieses Paar
führte aus Böhmen des Verehrung des Hl. Johannes Nepomuk
ein und stiftete die Barockstatue an der Auffahrt zum
Schloss. Diese ist heute noch Ziel einer großen
Prozession, die anschließend durch die Eingangshalle des
Schlosses zieht. Ihre eigenen Gebete und Gesänge sind für
die volkskundliche Liturgiegeschichte von großem
Interesse.
Nachfolger der Gräfin Maria Ernestina Franziska wurde ihr
Sohn Wenzel-Anton Fürst von Kaunitz-Rietberg,
Staatskanzler der Kaiserin Maria-Theresia, der auch den
Titel "Herr in Mellrich" geführt hat.
Nach der Mediatisierung der Grafschaft Rietberg verkaufte
Fürst Aloys von Kaunitz-Rietberg seinen westfälischen
Besitz, trotz Einspruchs des Fürsten von Liechtenstein,
der alte Erbansprüche geltend machte. Eggeringhausen kam
an den Erbdrosten Friedrich-Leopold Freiherr von
Fürstenberg, der seinem ältesten Sohn den Familienbesitz
(Fürstenberg, Schnellenberg, Adolphsburg, Herdringen
usw.) seinen übrigen 6 Söhnen jeweils ein neugekauftes
Fideikommiss vermachte. Sein 5. Sohn, Franz-Friedrich,
vermählt mit Maria-Antonia Freiin von Imbsen-Wewer, bekam
Eggeringhausen. Er hat mit großen Mühen das zu
Kaunitzscher Zeit meistens unbewohnte Haus in Ordnung
gebracht, sowie Vorburg, Maststall und Wirtschaftsgebäude
neu gebaut. Im Dorf stiftete er das Schulgrundstück und,
gegen freies Erbbegräbnis, den Friedhof.
Friedrich-Wilhelm IV. ernannte ihn zum Kammerherrn. Nach
seinem Tode 1860 erhielt sein Sohn Friedrich, als Student
aktiv im Corps Borussia, den Besitz. Ihm folgte sein
Bruder Maximilian, vermählt mit Clara von Papen. Zwei
weitere Brüder, Lothar und Francesco, waren preußische
Generäle.
1888 übernahm der älteste Sohn Maximilians, Friedrich
(1914) Eggeringhausen, gefolgt von Lothar, vermählt mit
Bernhardine Wagenbreth. Diese hatte besonders starkes
naturkundliche Interessen und wird zu den Mitbegründern
des Natur- und Umweltschutzgedankens gezählt! Die einzige
Tochter Charlotte kam mit 21 Jahren durch einen
Verkehrsunfall ums Leben.
Lothar von Fürstenberg vermachte
Schloss Eggeringhausen Michael von Fürstenberg aus der
Körtlinghauser Linie (s. Link zur Internetseite), Sohn
des Freiherrn Ferdinand von Fürstenberg und der Ruth von
Carlowitz.
Das heutige Haus, einschließlich der beiden Treppentürme
mit hölzernen Wendeltreppen, stammt im wesentlichen aus
der Zeit zwischen 1620 und 1660. Die vier angesetzten
Ecktürme sind dem spätesten Bauabschnitt zuzurechnen.
Nordportal und Brücken sind im 18. Jahrhundert
entstanden. Der Kamin im Saal, datiert 1660, trägt die
Inschrift der Gräfin Anna Catharina von Ostfriesland und
Rietberg, Herrin zu Esens, Stedesdorf, Wittmund und
Mellrich, geb. Gräfin Salm-Reifferscheidt. Im Haus findet
man die für das Sauerland typischen Balkendecken mit
Stuckauflage, die nach der Fürstenbergischen Adolphsburg
auch "Adolphsburger Decken" genannt werden.
Die kleine Nepomukkapelle ist seit etwa 1700 bekannt.
Zeitweise wirkten dort junge Geistliche als Haus-Kaplan
und Lehrer, darunter der spätere Bischof von Paderborn,
Wilhelm Schneider. Der wunderschöne Park ist im 19.
Jahrhundert als Versuchsanlage für ausländische Holzarten
angelegt worden und birgt die vermutlich älteste Sequoia
gigantea (Mammutbaum) Westfalens!
Von direkten Kriegseinwirkungen blieb Eggeringhausen
glücklicherweise verschont. Die in der ersten Zeit der
Besatzung im Haus einquartierten US-Soldaten verhielten
sich korrekt und nahmen lediglich kleinere ‚Souvenirs’
mit, darunter das Aquarell des Freiherrn Ferdinand von
Fürstenberg aus dem Jahre 1925.
Heutiger Eigentümer ist Monsigniore Dr. Michael von
Fürstenberg, der in Rom lebt. Besitzer ist Familie Bayer.
In der neuerlichen Zeit ist das Schloss umfangreich
renoviert worden, das Haupthaus wird von der Familie
Bayer privat genutzt. In den Nebengebäuden unterhält die
Familie ein Verlagsbüro und ein besonderes
Einrichtungs-Geschäft "Country-Lifestyle". Aufgrund des
Charmes und die auserwählten Angebote von stilvollen
Accessoires über Stoffe bis zu Vollholzmöbel im
Kolonialstil. Ein attraktives Gartenmöbel-Angebot rundet
das Angebot ab, siehe Homepage.
Da das Schloss privat genutzt wird, ist es der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Geschäftsräume sind
von Montags bis Samstags 10-19 Uhr geöffnet, der Park
kann in dieser Zeit in Absprache besichtigt werden.
Auf Schloss Eggeringhausen werden im Frühjahr und
Spät-Herbst schönste Haus- und Garten-Festivals sowie
Konzerte und weiter Events veranstaltet. Viele Künstler
aus allen Bereichen zeigen in der Schlossanlage gerne
ihre Werke. Jeweils im
Frühjahr führt eine sehenswerte Prozession durch das
Schloss und den Park; diese Nepomuk-Prozession hat
bereits lange Tradition.
|